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„Sich auf dem Platz auszupowern und als Vorbild voran zu gehen, finde ich toll”

Inga Kappel ist Fußballerin und war u.a. für den VFL Wolfsburg in der Bundesliga aktiv. Wie sich der Fußball seit ihrem Bundesliga-Debüt verändert hat, was für sie die Faszination Fußball ausmacht und wie das Gefühl ist mit der Zwillingsschwester gemeinsam auf dem Platz zu stehen, erzählt sie uns im Interview mit SportlerINside.

Was fasziniert dich an der Sportart Fußball?
„Fußball macht für mich das Teamgefühl so interessant. Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen. Sich auf dem Platz auspowern zu können finde ich toll und als Vorbild voran zu gehen, hat mir auch immer sehr viel Spaß bereitet. Und wenn man etwas ganz gut kann, macht es ja immer nochmal mehr Spaß. Und der Fußball hat einem viel beigebracht. Was Zeitmanagement und Organisation angeht ist man gut aufgestellt, weil man das durch den Fußball früh gelernt hat und wir Fußball und Schule bzw Studium unter einen Hut zu bekommen.”

Du hast vor 15 Jahren im Jahr 2006 dein Bundesligadebüt für den VFL Wolfsburg gefeiert. Inzwischen hat sich viel getan. Der finanzielle Unterschied zwischen Männern und Frauen ist immer noch sehr hoch, aber die Diskrepanz war damals noch höher, der Frauenfußball hat sich inzwischen immer weiter professionalisiert. Wie hast Du diese Entwicklung wahrgenommen und welche Maßnahmen wünscht Du Dir für die Zukunft, um den Frauenfußballweiter zu entwickeln?
„Der Unterschied von damals zu heute ist enorm . Damals waren wir froh 4x die Woche trainieren zu können. Der VFL war damals gerade aus der 2. Liga wieder aufgestiegen. Mit Martina Müller und Christiane hatten wir damals eine deutsche und eine brasilianische Nationalspielerin in unseren Reihen. Heute ist die Mannschaft nur so gespickt von Nationalspielerinnen der verschiedensten Nationen. Sie haben heute ein eigenes AOK Stadion . Wir durften damals einmal gegen den FC Bayern im Pokal in der VW Arena spielen . Das war damals eine große Ehre für uns. Und finanziell ist der Verein heute anders in der Frauenabteilung aufgestellt. Ich finde es gut, wenn solche Vereine wie Bayern und Wolfsburg ihre Frauenmannschaften unterstützen, jedoch ist es für die kleinen Vereine schade . So etwas wie Viktoria Gersten wird es heute in der 1 und 2 Liga leider nicht mehr geben. Damals hat das ganze Dorf für die Frauenmamnschaft gelebt und mitgefiebert. Das war super. Das finde ich sehr schade das die Auflagen immer höher werden . Andererseits geht es auch nicht anders, wenn es professioneller aufgestellt werden soll.”

8 Spiele in der Bundesliga, rund 200 Spiele in der 2. Bundesliga und 13 Spiele im DFB-Pokal. Was war rückblickend dein schönster Moment auf dem Fußballplatz?
„Der NfV Pokalsieg 2002/2003 mit Viktoria Gersten (heute SV Meppen). Britta und Ich haben unsere erste Saison dort gespielt und waren im Finale an allen drei Toren beteiligt. Ich habe das erste selbst gemacht und die anderen beiden auf Britta aufgelegt. So etwas vergisst man nicht. ”

Du hast bei vielen Stationen deiner Karriere mit deiner Zwillingsschwester Britta zusammengespielt. Wieso habt ihr oft den gleichen Karriereweg eingeschlagen und für viele Vereine gemeinsam auf dem Spielfeld gestanden? Wie ist das Gefühl mit der eigenen Schwester auf dem Platz zu stehen?
„Zwilling zu sein ist etwas besonderes und das können auch nur Zwillinge nachvollziehen. Es ist ein tolles Gefühl mit der Zwillingsschwester auf dem Platz zu stehen. Man weiß immer das man sich auf sie zu 100% auf und neben dem Platz verlassen kann. Natürlich habe ich auch schon mal für Britta eine gelbe Karte einstecken müssen, weil die Schiedsrichterin nicht bemerkt hatte das zwei von uns auf dem Platz stehen und es mein angeblich drittes Foul gewesen sein sollte, es war jedoch mein Erstes. Auch wenn zum Beispiel eine von uns beiden in der Kabine von Maria Reisinger einen Einlauf bekommen hat, hatte die andere auch Tränen in den Augen.”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Meinen Sohn Tilo so für den Fußball zu faszinieren , wie er mich fasziniert hat. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Die einem vor allem viele Freunde schenkt, die einen das ganze Leben begleiten, egal wie weit man auseinander entfernt wohnt. Britta und ich sind Patentanten der beiden Kinder von Bianca Lity und uns trennen über 200km trotzdem sehen und telefonieren wir regelmäßig.”

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