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„Ringen prägt einen extrem für das restliche Leben”

Aline Rotter-Focken steht vor ihren letzten olympischen Spielen in Tokio in der Sportart Ringen. Sie wurde 2014 Weltmeisterin in der Gewichtsklasse bis 69kg und gewann mehrere Silber- und Bronzemedaillen bei den Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Gewichtsklassen. Im Interview mit SportlerINside spricht sie über die Entscheidung noch ein Jahr länger zu Ringen, obwohl das Karriereende für 2020 geplant war und wie es zu einem Gewichtsklassenwechsel in ihrer Sportart kommt.

Was fasziniert dich an deiner Sportart – warum Ringen und keine andere Kampfsportart?
„Es gibt einfach keine Sportart wie das Ringen. Sie prägt einen extrem auch für das restliche Leben, da sie so komplex ist. Wir müssen sehr viel trainieren und es werden nahezu alle motorischen Fähigkeiten wie Kraft, Technik, Schnelligkeit, Ausdauer, Wille, mentale Stärke usw. benötigt. Ringen kann sehr hart sein, ist aber super fair. Alles was den Gegner verletzen oder ihm schaden könnte ist strengstens verboten, genau wie das Sprechen auf der Matte oder Diskutieren mit dem Schiedsrichter. Jeder Kampf endet und beginnt mit einem Handschlag zwischen Schiedsrichter und den Sportlern unter sich und trotz oft harten Gefechten sind wir meistens die, die sich danach mit ihren Gegnern in den Armen liegen und respektvoll gratulieren.”

Du wolltest deine Karriere mit den olympischen Spielen 2020 in Tokio beenden. Aufgrund der Corona Pandemie wurden diese verschoben und auf 2021 verlegt. Wie kam es zu der Entscheidung noch ein Jahr dranzuhängen, um 2021 in Tokio zu starten und welche Organisation stand dahinter, weil die Verschiebung mitten in der Vorbereitung zu Olympia kam?
„Als die Verschiebung kam war es natürlich erstmal ein kleiner Schock, weil man das einfach nicht erwartet hatte. Ich habe mich aber ziemlich schnell gefangen und auf das neue Ziel fokussiert. Natürlich musste ich meinen Arbeitgeber vertrösten, der mir bereits eine Vollzeitstelle für danach in Aussicht gestellt hatte und viele Gespräche mit Partnern, Sponsoren und der Familie führen. Aber da diese alle sehr positiv waren und mir Jeder seine vollste Unterstützung auch bis 2021 zugesagt hatte, fiel mir die Umstellung nicht so schwer.”

Bronze bei deinen letzten Europameisterschaften im April in Warschau. Herzlichen Glückwunsch! Wie ist das Gefühl gewesen, zu wissen es sind deine letzten Europameisterschaft?
„Ja es ist schon ein komisches Gefühl. Allgemein zu wissen, dass diese super anstrengende aber auch wundervolle Zeit als Leistungssportlerin bald vorbei sein wird ist spannend, verrückt, aufregend und angsteinflößend zu gleich. Ich hätte meine letzte EM -Medaille gerne vergoldet, aber bin trotzdem happy und sehr gespannt auf Olympia 2021.”

Auf den ersten Blick denkt sich die Laiin: Du bist Weltmeisterin 2014 in der Gewichtsklasse bis 69kg. Hast jetzt deine Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in der Gewichtsklasse bis 76kg geholt. Wie entscheidet sich in welcher Gewichtsklasse du ringst und wie kommt es zu einem Wechsel?
„Zwischen meinem Titel 2014 und der Medaille jetzt liegen erstens auch schon fast 7 Jahre und eine Gewichtsklassen- und Regeländerungen. Als ich Weltmeisterin wurde war ich 23 Jahre alt und gerade in die 69kg-Klasse aufgerückt. Über die Jahre und mit dem harten Training wurde ich aber immer schwerer, ohne dabei Körperfett zuzunehmen und ich musste bei meinem letzten Wettkampf in 69kg (die WM 2017) schon 6kg abnehmen, um das Gewichtslimit zu erreichen. Zum Januar 2018 wurden dann die Gewichtsklassen nochmal verändert, aus 69kg wurde 68kg und aus einmaligen Wiegen am Abend vor dem Wettkampf mit etwa 16 Stunden  Zeit zum Auffüllen bis zum Wettkampf wurde 2x wiegen. Einmal direkt am Wettkampfmorgen um 8 Uhr (also nur 2-3 Stunden vor Wettkampfbeginn) und das zweite am Morgen danach um 8 Uhr vor den Finalkämpfen. Als diese Regelung kam war klar, dass ich nicht mehr weiterhin 6kg abnehmen und so kämpfen kann, also entschied ich mich schweren Herzens mitten im Olympiazyklus meine Stammgewichtsklasse in der ich Weltspitze war zu verlassen und mein Glück weiter oben zu versuchen. Das war natürlich eine große Umstellung und hat sehr viel harte Arbeit bedeutet, aber am Ende hat es sich jetzt gelohnt.”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Ich habe 2 Wünsche oder auch Lebensträume. Der erste ist ganz klar Olympiasiegerin im Ringen zu werden und der zweite danach ein gesundes und erfülltes Leben mit einer eigenen kleinen Familie und all meinen Lieben, die jetzt schon viel auf mich verzichten mussten, zu führen”
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