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„Frei segeln, das Boot spüren und über die Wellen zu rauschen”

Susann Beucke ist Seglerin und mit ihrer Partnerin Tina Lutz im 49er FX unterwegs. Die Vorschoterin aus Kiel erzählt uns im Interview SportlerINside was für sie das Teamsegeln ausmacht, den Flowmoment bei der Kieler Woche und warum ihr größter sportliche Wunsch keine Platzierung ist.

Du bist im 49er FX als Vorschoterin mit deiner Segelpatnerin Tina Lutz aktiv. Warum hast du dich für das Teamdoppel entschieden und zum Beispiel nicht für den Einzel im Laser Radial?
„Weil das Segeln im Team einfach viel interessanter ist und weil ich mich auch manchmal einfach gerne austausche. Als Kind war es tatsächlich der Kommunikationsfaktor. Mir war es alleine zu langweilig. Mittlerweile finde ich, dass das Segeln im Team nochmal eine Komponente ist,  die es nochmal kompletter macht und es unheimlich interessant ist. Komponenten wie Kommunikation, Absprachen im Team, Commitment. Das macht den Sport nochmal komplexer und einfach wunderschön.”

Faszination Segeln – kannst du uns das Gefühl beschreiben, wenn du am Start stehst kurz vor Beginn des Rennens, dann die verschiedenen Manöver bis zum Ankunft im Ziel?
„Ich bekomme dann tatsächlich nicht viel mit. Ich denke nicht viel an andere Sachen. Der Start ist sehr, sehr komplex, weil man Probleme hat, stehen zu bleiben und das ist mit den Booten gar nicht so einfach ist. Nach dem Start kommt eine Phase da fährt man erstmal längere Zeit meistens geradeaus und probiert mit der Geschwindigkeit, das Allerwichtigste, die Nase nach vorne zu bekommen. Dann probiert man den schnellsten Weg zur Lufthalle zu finden mit den Winddrehern, mit den Böen. Dann fährt man irgendwann um die Lufttonne herum. Dort ist es meistens ziemlich voll und geht erstmal mit viel Geschrei und vielen Protesten einher. Dann kommt das Gekeler hoch. Das große, bunte Segel welches vorne ist. Dadurch gewinnt das Boot erstmal an Fahrt, man rauscht, man probiert sich freien Wind zu erschaffen und von den anderen Boot wegzukommen. Dann kommt man um den Leton, das Legay. Da geht es darum welchen Gate nimmt man. Das ist super komplex, weil man jeden Schritt im Rennen vorausplanen muss. Irgendwann geht es dann ins Ziel. Ich bin einfach im Tunnel und denke nur über den nächsten Schritt nach. Das Gefühl einfach nur auf dem Wasser zu sein frei segeln, das Boot spüren und über die Wellen zu rauschen.”

Du bist in der Sportsoldatin bei der Bundeswehr. Was bedeutet das für Dich und die Ausübung Deines Sports im Alltag?
„Einen Platz in der Sportfördergruppe zu haben, bedeutet für mich wirklich alles. Ich glaube, ich hätte im Alter von 22 Jahren mit dem Sport aufhören müssen, weil da irgendwann der Faktor Geld verdienen kommt, um sich unabhängig zu machen vom Elternhaus. Durch die Sportfördergruppe konnte ich meinen Sport weitermachen und konnte immer sagen, dass Segeln mein Beruf ist. Das ist eine einmalige Chance! Sonst, würde ich, und ganz viele andere Sportlerinnen und Sportler schon den Weg sicheren Job wählen müssen aufgrund von finanziellen Gründen.”

1.Platz bei den Europameisterschaften 2020 und 2017, 1.Platz bei der Kieler Woche 2020, um nur einige Erfolge zu nennen. Was war bisher rückblickend dein größter, sportlicher Erfolg und warum?
„Tatsächlich die Kieler Woche, die wir gewonnen haben und auch gleichzeitig unsere letzte Olympiaqualifikation war. Es gab drei Regatten und es war die Dritte davon. Weil in dieser Woche alles zusammengeflossen ist, was wir vorher gelernt haben und wir eine Art Flowmoment hatten. Wir waren super fokussiert und wir hatte relativ viel Druck, weil das zu Hause war, die Olympiaquali war und viele Menschen zugeschaut haben. Wir haben eine richtig solide Regatta gesegelt und die am Ende auch gewonnen. Wir sind jeden Tag gewachsen, diese Moment zu haben einfach so gut zu segeln. Das war der schönste sportliche Moment! Ansonsten ganz viele kleine Momenten mit meiner Partnerin Tina Lutz auf dem Wasser.”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Mein größter sportlicher Wunsch ist überhaupt nicht an eine Platzierung geknüpft. Ich möchte super gerne, dass Segeln auch weiterhin mein Beruf bleibt. Das ist aber gar nicht so einfach, weil man natürlich irgendwann auch Geld verdienen muss und weil es als Sportlerin eine sehr, sehr unsichere Angelegenheit ist den Sport zu machen. Mein größter sportlicher Wunsch ist, dass ich in zehn Jahren sagen kann, dass ich immer noch Seglerin bin, es als Beruf mache und meinen Sport ausübe.
Für Tokio hoffe ich, dass wir einfach nochmal in so einen Flowmoment erleben, wie bei der Kielerwoche. Das einfach alles zusammenpasst und man das Gefühl hat, dass man bei einer Regatta einfach alles abrufen kann, was man die ganze vierzehn Jahre vorher erarbeitet hat.”
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