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„Du musst immer Vollgas geben, egal ob du 100m oder 200m läufst”

Pernilla Kramer liebt Vollgas über die kurze Distanz. Die Sprinterin über 100m und 200m liebt das schnelle Laufen in wenigen Sekunden. Im Interview mit SportlerINside spricht sie über die Unterschiede der beiden Strecken, ihr täglichen Aufwand für den Leistungssport und die Aufmerksamkeit in der Leichtathletik bei den Frauen.

Deine Disziplinen sind 100m und 200m Sprint. Warum Sprint und keine Langstrecke?
„Als Kind habe ich sehr gerne fangen gespielt und war auch immer die Schnellste aus meiner Klasse. Es liegt mir und macht mir auch am meisten Spaß. Am Sprint reizt mich besonders, dass du nur nur diese eine Chance hast und in kürzester Zeit alles auf die Bahn bringen musst, was du kannst. Der direkte Vergleich mit der Konkurrenz, in denen kleine Feinheiten über Sieg und Niederlage entscheiden, macht den Sprint so spannend, für uns Sportler*innen und die Zuschauer gleichermaßen. Langstrecke ist mir auch ehrlich gesagt zu anstrengend. Und wenn ich sehe, dass man sich zum Beispiel für 5 Kilometer mehrere Minuten lang quälen muss, dann quäle ich mich doch lieber nur wenige Sekunden auf 100m oder 200m.”

100m auf gerader Strecke, 200m mit Kurve. Kannst du uns Laiien die Unterschiede zwischen der 100m Distanz und der 200m Distanz erklären?
„Klar ersichtlich ist natürlich die Streckenlänge und die Kurve, die man bei den 200m noch läuft. Von der Renneinteilung gibt es keine Unterschiede, du musst immer Vollgas geben, egal ob du 100m oder 200m läufst. Ich persönlich laufe die 200m lieber, weil man sich in der Kurve an die vor einem laufenden Konkurrentinnen ansaugen kann und ich auf den letzten 50m nochmal ordentlich Boden gut machen kann.”

Wie viel Aufwand bringt es für Dich mit sich, deine Sportart auf höchstem Niveau auszuüben?
„Zeitlich gesehen ist es auf jeden Fall ein großer Aufwand. Ich trainiere, je nach Trainingsphase, 5-6 Mal die Woche für jeweils gute zwei Stunden. Dazu kommen noch diverse Behandlungen bei der Physiotherapie oder meinen Chiropraktor sowie verschiedene regenerative Maßnahmen nach dem Training. Zusätzlich zur Arbeit bleibt dann auch leider nicht viel Freizeit, um Freunde zu treffen oder etwas zu unternehmen. Da braucht man definitiv ein gutes Zeitmanagement, insbesondere in der Wettkampfphase, wodurch auch noch die Wochenenden verplant sind. Durch den Leistungssport muss man auf vieles verzichten, was für andere Alltag ist. Aber ich weiß wofür ich das alles tue und dass es sich auszahlen wird. Wenn man den Sport liebt und seine Ziele erreichen möchte, gibt man auch alles dafür. Mein Leben dreht sich um den Sport und alles andere richtet sich danach.”

Frauensport fehlt häufig die mediale Beachtung. Wie würdest du die Aufmerksamkeit der Medien im Sprint zwischen Männern und Frauen betrachten und was kann man in Zukunft, in deiner Sportart, tun damit die Frauen mehr Aufmerksamkeit bekommen?
„In finde in der Leichtathletik sind Männer und Frauen in Sachen Aufmerksamkeit auf jeden Fall gleichgestellt. Alle Disziplinen gibt es für beide Geschlechter und werden auch entsprechend gewürdigt und übertragen. Natürlich sind z.B. die 100m der Männer auch historisch gesehen noch DAS Highlight bei allen Meisterschaften, jedoch sprinten sich die Frauen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Leistungen der Frauen, auch weltweit, verbessern sich stetig und damit machen wir den Männern definitiv Konkurrenz.
Alle Sportler*innen genießen auf Wettkämpfen und in der Berichterstattung dieselbe Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Der Leichtathletik können sich andere Sportarten, insbesondere viele Team-Sportarten, noch einige Dinge abgucken. Es ist doch egal, ob Männer oder Frauen Sport machen. Wenn jemand eine gute Leistung bringt, warum diese Leistung schmälern, indem man die Person auf das Geschlecht reduziert? Dass die Leistungen der Frauen nicht so viel wert sind wie die der Männer, verstehe ich auch nicht und finde ich unfair. Wir Frauen trainieren genau so hart wie die Männer, wenn nicht sogar manchmal auch härter. Aber wir Leichtathleten zeigen der Welt, dass bei uns alle Leistungen wertvoll sind, egal ob von Mann oder Frau erbracht. ”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Mein größter sportlicher Wunsch ist die weitere Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft. Natürlich träumt jeder Sportler, einmal bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. Wie realistisch das für mich ist, wird sich in den nächsten Jahren noch zeigen. 2019 habe ich bei den European Games in Minsk die Bronzemedaille mit dem Team gewonnen. Diese Medaille motiviert mich jeden Tag, hart für meine Ziele zu trainieren und besonders, wenn es mal nicht so läuft wie man sich das wünscht. Dauerhaft möchte ich natürlich verletzungsfrei bleiben, denn nur so kann ich mich in kleinen Schritten meinem großen Ziel nähern und auch meine Bestzeiten verbessern.”
Bildquelle: Dirk Ganterberg
Surftipp:
Leistungsdaten Pernilla Kramer