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„Das Kind muss Sport machen – egal welchen”

Vor ein paar Wochen wurde Boxerin Stefanie von Berge U22 Europameisterin in Italien. Welche Ziele sie für die kommenden Jahre hat, wie es ist hauptsächlich in einer Trainingsgruppe mit Männern zu arbeiten und wie ihr Trainingsalltag aussieht, erzählt sie uns im Interview mit SportlerINside.

Du erzählst in einem Interview, dass du über deinen Vater, der auch gleichzeitig dein Trainer ist, zum Boxen gekommen bist. Wie kam es dazu und wie alt warst du damals?
„Bevor ich zum Boxen gekommen bin, habe ich rhythmische Sportgymnastik gemacht. Was mich zu dem Wechsel gebracht hat, war der Umzug aus Düsseldorf nach Köln als ich 14 war. Mein Vater hatte da bereits einen kleinen Verein aufgebaut, wo er auch selber Trainer ist. Und weil das Motto meiner Eltern schon immer war: „Das Kind muss Sport machen“ – egal welchen, bin ich alternativ, bevor man einen neuen Tanz-Verein für mich gefunden hätte, mit zum Boxen gegangen. Es fing mit einmal pro Woche an, dann zweimal, dann dreimal. Dann habe ich recht schnell auch meinen ersten offiziellen Kampf gemacht – den ich leider verloren habe, sodass ich nun unter keinen Umständen aufgeben konnte und letztendlich beim Boxen geblieben bin.”

Deine Trainingsgruppe besteht hauptsächlich aus Männern. Wie ist der Umgang miteinander und habt ihr die gleichen Trainingsschwerpunkte oder trainierst du als Frau anders?
„Ja, das stimmt. Meine Trainingsgruppe besteht hauptsächlich aus Männern. Meistens bin ich sogar die einzige Frau dort. Aber beim Training wird nicht differenziert. Mein Trainier sagt auch immer, dass es ihm egal ist ob Mann oder Frau – ich muss genau so schnell mitlaufen, genau so weit springen, und genau so stark den Ball stoßen. Und wenn ich dann letztendlich mithalten kann, bin ich sehr stolz auf mich. Die gesamte Trainingsgruppe steht auch sehr stark hinter mir, motiviert mich mit ihrer sportlichen Einstellung und unterstützt mich bei allem, wofür ich sehr dankbar bin. Genauso dankbar bin ich auch meinen Trainern, die immer „obwohl“ ich ein Mädchen bin, so viel von mir gefordert haben. Meine Erfolge sehe ich auch als ihre Erfolge.”

 Anschließend zu Frage 3: Im Boxen sind viele verschiedene Elemente wichtig. Wie sieht dein Trainingsalltag aus? Welche Elemente trainierst du und wie oft in der Woche?
„Das ist genau das, was ich am Boxen so sehr mag. Und zwar die Vielseitigkeit des Sports. Wir machen Training für die Koordination und Kognition, allgemeines Krafttraining – aber auch boxspezifische Übungen, Beweglichkeit, Laufeinheiten für die Kondition aber auch ganz viel Technik und Taktik. Abhängig von der Vorbereitungsphase auf den Wettkampf wird dann der Schwerpunkt gelegt, aber Koordination, Kognition, Beweglichkeit und Technik stehen jeden Tag auf dem Plan. Einmal Pro Woche haben wir auch eine reine Videoanalyse von meinen Kämpfen, Kämpfen meiner zukünftigen Gegner und anderen Kämpfen von anderen Sportlern, von denen man was lernen kann.”
Du bist mehrfache Junioreneuropameisterin und -Deutsche Meisterin. Trotz deines jungen Alters: Was war dein bisher sportlicher Höhepunkt?
„Mein bisher größter sportlicher Höhepunkt war die U22 Europameisterschaft vor ein paar Wochen in Roseto degli Abruzzi in Italien. Dort konnte ich endlich die Goldmedaille holen und als einzige Deutsche den Titel Europameisterin nach Deutschland bringen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl ganz oben auf dem Treppchen stehen zu dürfen und die eigene Hymne mit zu singen. Ich glaube, ich werde mein erstes EM-Gold niemals vergessen.”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Wie ich vor paar Wochen mal wieder erfahren konnte, macht Gold holen echt viel Spaß. Mein Ziel ist es nun 2024 in Paris dasselbe zu tun.”
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