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„Das größte Turnier auf Erden mit dem Bundesadler auf der Brust zu absolvieren”

Goalball ist die am weitesten verbreitete Ballsportart für Menschen mit Seheinschränkung. Die Leidenschaft von Pia Knaute. Was Goalball ist, wie sie dazu kam, warum Männer und Frauen, zum Teil, noch zusammenspielen und wie sie nach ihrer Handverletzung wieder neuen Mut gefasst hat, erzählt sie uns im Inteview mit SportlerINside.

Faszination Goalball. Wahrscheinlich einigen Leser/innen kein Begriff: 18 x 9 großes Spielfeld, 9 Meter breite Tore, 3 Spieler einer Mannschaft versuchen den Ball in das gegnerische Tor zu werfen, bei jedem Regelverstoß kann es leicht zu einem Penalty kommen, nach dem Abschluss der Angriffsaktion sofort in Abwehrstellung, weil es innerhalb von 10 Sekunden zum Gegenangriff kommt. Beide Team verzichten auf Augenlicht und tragen eine Dunkelbrille. Ich hoffe, wir haben es ganz gut zusammengefasst. Sonst darfst du gerne Ergänzungen vornehmen. Wie bist du zum Goalball gekommen und was fasziniert dich daran?
„Während des Abiturs gab es Goalbälle als Sport AG an der Schule. Die meisten meiner damaligen Freunden spielten Goalball . Ich wollte nie einen „Behindertensport“ ausüben und ging lieber zum Tanzen. Das Goalballe Team hatte mich ewig gefragt, ob ich nicht mal zum Training kommen möchte, das habe ich immer verneint bis Januar 2013. Dann ging ich zum ersten Mal mit ins Training. Von da an blieb ich beim Goalball! Das Faszinierende an diesem Sport, ist das alles möglich ist bis zur letzten Sekunde. Es ist eine schnelle und aufregende Sportart . Zwischen Aktion und Reaktion liegen meistens wenige Sekunden.”

Ihr verzichtet komplett auf das Augenlicht. Die Augen werden unter der Dunkelbrille extra noch abgeklebt, um Chancengleichheit zu schaffen. Das heißt ihr müsst euch auf euer Gehör, Orientierung und Intuition verlassen. Welche Trainingselemente müsst ihr alles trainieren und wie sieht so ein Trainingsalltag bei euch konkret aus?
„Ein Spiel dauert zweimal 12 Minuten. Wenn der Ball ins Aus geworfen wird, wird auch die Zeit angehalten. So kann ein Spiel 45 und 60 Minuten dauern. Das Training wird vielseitig aufgestellt. Allgemein brauchen wir eine gute Grundlagenausdauer, Schnellkraft und CrossFit Einheiten, auch Stabilität in den Gelenken ist ungeheuer wichtig. Goalball-spezifisch machen wir Wurftraining, generell Goalball Spieltraining, Defensivtraining, Spielzüge werden eintrainiert, um den Gegner zu verwirren. Zusätzlich natürlich auch Teambuildingmaßnahmen. Ein Trainingstag sieht so aus, dass ich ins Frühtraining gehe um an dann allgemeinen Dingen zu trainieren, wie Krafteinheit oder CrossFit. Dann geht es zur Arbeit und abends geht es dann ins Vereinstraining und es wird Goalball gerockt. Oder eben erst zur Arbeit und dann mittags und abends die zwei Einheiten, je nach dem wie meine Arbeitszeiten sind. ”

 Goalball ist die am weitesten verbreitete Ballsportart für Menschen mit Seheinschränkung. Seit 1976 paralympisch, seit 2013 gibt es die Bundesliga, alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft und alle zwei Jahre eine Europameisterschaft. Das ganz Besonderes in Deinem Sport: Frauen spielen im Ligabetrieb mit den Männern zusammen und in der Nationalmannschaft in reinen Damenteams. Gibt es in der Praxis einen Unterschied mit Männern zu spielen oder nur mit Frauen zu spielen?
„Mittlerweile spielen in der ersten Bundesliga ganz wenige Damen, wir spielen eher in der 2. Liga. Der Unterschied liegt darin, das die Männer viel härter werden können als die Frauen, was an den körperlichen Voraussetzungen liegt. Bei den Männern können die Bälle über 80km/h schnell werden. Für die Damen ist es ein gutes Abwehrtraining. Im Verein spielen wir auch Mal gemischt, um uns weiter zu entwickeln. Die Würfe von den Frauen sind bei Weitem nicht so schnell unterwegs.”

Du hast dich Ende letzten Jahres an der Hand verletzt und musstest dir zwei Op´s unterziehen. Bist du wieder vollständig genesen? Was hat es für deinen Beruf als Physiotherapeutin bedeutet und für deinen Leistungssport Goalball? Wie gehst du mit solchen negativen Erlebnissen um und findest du wieder neue Motivation?
„Im Juli 2020 habe ich mir den Mittelhandknochen gebrochen. Es kam im November des selben Jahres zur 2. OP auf Grund von Komplikationen. Ich konnte im Januar langsam wieder anfangen zu trainieren. Mit Laufeinheiten oder so, aber die Hand durfte nicht belastet werden. Bis März war ich krank geschrieben, der Knochen wollte einfach nicht heilen/zusammenwachsen. Die Motivation war am Boden. Seit April geht es bergauf, ich kann wieder arbeiten und auch voll im Sport durchstarten. Die Pandemie hat natürlich auch so ihr übriges getan. Doch mittlerweile kann man positiv nach vorne schauen. Es stehen Turniere wieder vor der Tür und die Hand macht kaum noch Probleme. Ich konnte während der langen Zeit viel Kraft und Motivation aus Freunde und Familie ziehen, die mich immer unterstützt haben . Auch meine Vereinstrainer und Nationaltrainer hatten immer ein offenes Ohr für mich. Das tat gut und nun geht es positiv vorwärts .Der Alltag und die Lockerungen geben mir die Zuversicht positiv in die Zukunft zu schauen. Beruflich geht es auch voran, eine Weiterbildung habe ich jetzt angefangen und genieße es wieder auf Arbeit bei den Kollegen zu sein und mich auf die Patienten zu konzentrieren. ”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Mein persönlicher Wunsch ist eine Teilnahme an den paralympischen Spielen. Das größte Turnier auf Erden mit dem Bundesadler auf der Brust zu absolvieren . Die Emotionen und das großartige Gefühl kann einem nur der Sport geben.”
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