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„Alle Sinne schärfen sich und ich blende um mich herum alles aus”

Vor kurzem die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Bydgoszcz über die 100m Sprintdistanz in der Wettkampfklasse T13 gewonnen. Heute erzählt uns Sprinterin Janne Engeleiter im Interview mit SportlerINside ihr Gefühle vom Start bis ins Ziel, was passieren muss um den paralympischen Sport mehr in den Fokus zu rücken und die Kombination aus Ausbildung und Leistungssport.

Du konntest dir, ganz frisch, die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Bydgoszcz auf der 100m Distanz der Wettkampfklasse T13 erkämpfen. Kannst du uns Laiien erklären,was diese Klasse bedeutet?
„Im Para-Sport gibt es verschiedene Wettkampfklasse, in denen die Behinderungen nach Art und Schweregrad differenziert werden. Die T13 ist eine von drei sehbehinderten Klassen. Hier haben die Athleten einen Sehrest von unter 10%.”

Du bist über die 100m Distanz unterwegs. Nimm uns doch mal mit kurz vor den Start des Laufes, den Start, die Strecke bis ins Ziel. Kannst du uns den Weg nach deinem Empfinden beschreiben und dann das Gefühl im Ziel angekommen zu sein?
„Etwa 15 Minuten vor dem Start ist die Nervosität am größten. Ich sitze rum und warte darauf, dass es los geht. Das ist die schlimmste Zeit vor dem Wettkampf. Je näher dann der Wettkampf rückt, desto ruhiger werde ich. Auf dem Weg zum Startblock werde ich dann ganz ruhig. Alle Sinne schärfen sich und ich blende um mich herum alles aus. Ich bin in einem Tunnel in dem sich nur ich und meine Laufbahn befinden. Sitze ich im Startblock ist alle Nervosität verschwunden. Startschuss: der erste Schritt ist kraftvoll und dann nach etwa 30 Meter fühlt es sich wie fliegen an. Die Füße berühren kaum den Boden. Ich fühle mich locker und leicht. Die letzten 20 Meter bloß nicht verkrampfen, weiter so locker bleiben, auch wenn es schwerer wird. 2 Meter vor dem Ziel Oberkörper nach vorne schmeißen. Geschafft, das ist alles was ich kurz nach dem Ziel denke.”

Die olympischen Spiele bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit als die paralympischen Spiele. Im Zusammenhang mit der Verschiebung der Spiele letztes Jahr sagtest du, dass ihr immer im Schatten steht. Was muss sich deiner meiner Meinung nach ändern, dass die paralympischen Sportler genauso viel Aufmerksamkeit bekommen und welche konkreten Maßnahmen können ergriffen werden, um Euch mehr in den Fokus zu stellen?„ Um Para-Athleten mehr in den Fokus zu stellen hilft es über sie zu berichten, so wie ihr das gerade macht. Wichtig finde ich es dabei nicht (!) die Behinderung in den Vordergrund zu rücken, sondern den ganzen Menschen. Die Leute müssen anfangen zu realisieren, dass man nicht zu den Paralympics fährt, weil man behindert ist, sondern weil man dafür trainiert. Ich glaube es würde auch helfen mehr Para-Events in Sportveranstaltungen des olympischen Sports zu integrieren. Allerdings sollte dann auch die Weltspitze der jeweiligen Wettkampfklasse an den Start gehen, um die Qualität des Para-Sports wieder zu spiegeln wie es zum Beispiel beim ISTAF (Internationale Stadionfest Berlin) schon passiert. Obwohl das noch ausbaufähig wäre.”

Du bist in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Wie bekommst du Leistungssport und Ausbildung unter einen Hut?
„Meine Ausbildung mache ich erst seit August 2020, ich besuche aktuell nur die Theorieveranstaltungen, die finden alle 6-8 Wochen statt und die Termine sind lang genug bekannt, sodass ich das gut planen kann. Sollten gleichzeitig Wettkämpfe stattfinden dann haben die Vorrang und ich hole die Theorie wann anders nach. Ich mache mir insgesamt keinen Stress, fertig zu werden. Der Sport steht gerade im Fokus und das will ich so lange auskosten, wie es mir möglich ist.”

Und, natürlich zum Abschluss: Wie formulierst Du Deinen größten persönlichen, sportlichen Wunsch?
„Mein größter persönlicher sportlicher Wunsch ist es zufrieden aus dem Sport zurückzutreten, am Besten mit einem Wettkampf bei dem ich vollends glücklich über meine Leistung bin.”
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